Aufzinsung

Lexikon - Besondere objektspezifische Grundstücksmerkmale (BoG)

Die Aufzinsung bezeichnet die Berechnung eines zukünftigen Kapitalwerts aus einem gegenwärtigen Betrag durch Hinzurechnung von Zinsen über einen bestimmten Zeitraum. Sie beschreibt damit die zeitliche Vorwärtsentwicklung eines Geldbetrags unter Berücksichtigung einer bestimmten Verzinsung.

Bedeutung in der Immobilienbewertung

In der Immobilienbewertung wird die Aufzinsung eingesetzt, wenn vergangene Werte auf einen späteren Zeitpunkt hochgerechnet werden müssen. Dies ist beispielsweise relevant, wenn historische Baukosten oder frühere Kaufpreise auf den aktuellen Bewertungsstichtag fortgeschrieben werden sollen. Während in der Praxis häufiger die Abzinsung – als Gegenrechnung zur Ermittlung des Barwerts zukünftiger Erträge – verwendet wird, kommt die Aufzinsung vor allem bei der Analyse von Wertentwicklungen zum Einsatz.

Berechnung

Die mathematische Grundlage der Aufzinsung ist die Zinseszinsrechnung. Der zukünftige Wert (Endwert) ergibt sich durch Multiplikation des Anfangswerts mit dem Aufzinsungsfaktor. Dieser Faktor basiert auf dem anzuwendenden Zinssatz und der Anzahl der Zinsperioden. Je höher der Zinssatz und je länger der Zeitraum, desto stärker wächst der aufgezinste Betrag.

In der Immobilienbewertung nach ImmoWertV spielt die Aufzinsung eine untergeordnete Rolle, da die Verfahren überwiegend auf Barwertberechnungen basieren. Bei der Ertragswertermittlung werden zukünftige Reinerträge abgezinst, nicht vergangene Werte aufgezinst.

Abgrenzung zur Abzinsung

Die Aufzinsung ist das mathematische Gegenstück zur Abzinsung. Während die Abzinsung einen zukünftigen Betrag auf den heutigen Gegenwartswert (Barwert) reduziert, rechnet die Aufzinsung einen heutigen oder vergangenen Betrag in die Zukunft hoch. Beide Verfahren nutzen denselben Zinssatz, arbeiten aber in entgegengesetzter zeitlicher Richtung. In der Verkehrswertermittlung dominiert die Abzinsung, da der Wert einer Immobilie typischerweise aus zukünftigen Erträgen oder Nutzungen abgeleitet wird.

Anwendungsbeispiele

Typische Anwendungsfälle der Aufzinsung in der Immobilienwirtschaft sind Wertentwicklungsanalysen, die Fortschreibung historischer Herstellungskosten für Vergleichszwecke oder die Berechnung von Verzugszinsen bei Zahlungsrückständen. Auch bei der Bewertung von Erbbaurechten können Aufzinsungsvorgänge relevant werden, wenn vergangene Erbbauzinszahlungen auf einen späteren Zeitpunkt hochgerechnet werden müssen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Aufzinsung und Abzinsung?

Die Aufzinsung rechnet einen heutigen Betrag in die Zukunft hoch, während die Abzinsung einen zukünftigen Betrag auf den heutigen Barwert reduziert. Beide Verfahren nutzen denselben Zinssatz, arbeiten aber in entgegengesetzter zeitlicher Richtung.

Wird die Aufzinsung in der Immobilienbewertung häufig angewendet?

Nein, in der Immobilienbewertung dominiert die Abzinsung, da Verkehrswerte typischerweise aus zukünftigen Erträgen oder Nutzungen abgeleitet werden. Die Aufzinsung findet vor allem bei Wertentwicklungsanalysen oder der Fortschreibung historischer Werte Anwendung.

Michael Büttner
Über den Autor

Michael Büttner

Sachverständiger für Immobilienbewertung
Gründer & Administrator · Netzwerk Immobilien & Bewertung
Leipzig, Halle (Saale) & Umgebung

Michael Büttner erstellt Verkehrswertgutachten nach ImmoWertV – vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung. Im Netzwerk betreut er die Fachthemen rund um die Immobilienbewertung.

Ähnliche Beiträge

Abzinsung

Abzinsung ist die rechnerische Ermittlung des Gegenwartswerts künftiger Zahlungsströme. In der Immobilienbewertung bildet sie die Grundlage für Ertragswert- und DCF-Verfahren.

Barwert

Der Barwert ist der auf einen Bewertungsstichtag abgezinste Gegenwartswert künftiger Zahlungsströme. In der Immobilienbewertung zentral für das Ertragswertverfahren.

Rentenbarwertfaktor

Der Rentenbarwertfaktor ist ein Multiplikator zur Abzinsung periodischer Zahlungsströme auf den Gegenwartswert. Er findet in der Immobilienbewertung insbesondere bei der Ermittlung des Ertragswertes Anwendung.

Kapitalwert

Der Kapitalwert ist der Barwert aller zukünftigen Ein- und Auszahlungen einer Immobilie, abgezinst auf den Bewertungsstichtag. Er ist zentrale Rechengröße im Ertragswertverfahren.

Gesamtnutzungsdauer

Die Gesamtnutzungsdauer bezeichnet den Zeitraum, in dem ein Gebäude bei ordnungsgemäßer Instandhaltung wirtschaftlich genutzt werden kann. Sie ist eine zentrale Größe im Ertragswertverfahren und Sachwertverfahren.

Review Your Cart
0
Add Coupon Code
Subtotal