Kapitalwert

Lexikon - Besondere objektspezifische Grundstücksmerkmale (BoG)

Der Kapitalwert bezeichnet den Barwert aller zukünftigen Ein- und Auszahlungen, die aus einer Immobilie über einen bestimmten Zeitraum erwirtschaftet werden, abgezinst auf den Bewertungsstichtag. Er stellt damit den heutigen Wert künftiger Zahlungsströme dar und ist eine zentrale Kennziffer zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Immobilieninvestitionen.

Bedeutung in der Immobilienbewertung

Im Rahmen des Ertragswertverfahrens nach ImmoWertV bildet der Kapitalwert die Grundlage zur Ermittlung des Verkehrswerts renditeorientierter Immobilien. Dabei werden die künftig erzielbaren Reinerträge – also die Differenz aus Rohertrag und Bewirtschaftungskosten – über die voraussichtliche Restnutzungsdauer kapitalisiert. Der Liegenschaftszins dient als Diskontierungsfaktor, um die zeitlich verteilten Zahlungsströme auf den Bewertungsstichtag abzuzinsen.

Berechnung und Verfahren

Der Kapitalwert ergibt sich aus der Summe der diskontierten Reinerträge über die Restnutzungsdauer. Dabei wird jeder künftige Reinertrag mit dem entsprechenden Abzinsungsfaktor multipliziert, um den heutigen Wert zu ermitteln. Das Ertragswertverfahren fasst diese Kapitalwerte zusammen und addiert den Bodenwert, um den Gesamtertragswert der Immobilie zu bestimmen. Bei der Berechnung sind neben den laufenden Erträgen auch außerordentliche Zahlungen wie Instandhaltungsrücklagen oder Restwerte am Ende der Nutzungsdauer zu berücksichtigen.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Der Kapitalwert ist nicht mit dem Verkehrswert gleichzusetzen, sondern eine Rechengröße innerhalb des Ertragswertverfahrens. Während der Verkehrswert den erzielbaren Marktpreis einer Immobilie unter gewöhnlichen Umständen abbildet, beschreibt der Kapitalwert ausschließlich den abgezinsten Ertragswert künftiger Zahlungen. In der Investitionsrechnung wird der Kapitalwert auch zur Bewertung von Projektvorhaben herangezogen: Ein positiver Kapitalwert signalisiert Rentabilität, ein negativer deutet auf Unwirtschaftlichkeit hin.

Für die Ermittlung des Kapitalwerts im Rahmen eines Verkehrswertgutachtens ist die fachgerechte Anwendung der Bewertungsverfahren erforderlich. Sachverständige, die Verkehrswertgutachten für behördliche Zwecke erstellen, sollten über eine Qualifikation nach DIN EN ISO/IEC 17024 einer DAkkS-akkreditierten Stelle, eine öffentliche Bestellung und Vereidigung (öbuv) oder eine entsprechende Anerkennung durch den zuständigen Gutachterausschuss verfügen.

Häufige Fragen

Was versteht man unter dem Kapitalwert einer Immobilie?

Der Kapitalwert ist der auf den Bewertungsstichtag abgezinste Barwert aller zukünftigen Ein- und Auszahlungen einer Immobilie. Er zeigt den heutigen Wert künftiger Erträge und ist zentrale Rechengröße im Ertragswertverfahren.

Wie wird der Kapitalwert im Ertragswertverfahren berechnet?

Der Kapitalwert wird ermittelt, indem die künftigen Reinerträge über die Restnutzungsdauer mit dem Liegenschaftszins auf den Bewertungsstichtag abgezinst und summiert werden. Der Gesamtertragswert ergibt sich aus diesem Kapitalwert zuzüglich des Bodenwerts.

Michael Büttner
Über den Autor

Michael Büttner

Sachverständiger für Immobilienbewertung
Gründer & Administrator · Netzwerk Immobilien & Bewertung
Leipzig, Halle (Saale) & Umgebung

Michael Büttner erstellt Verkehrswertgutachten nach ImmoWertV – vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung. Im Netzwerk betreut er die Fachthemen rund um die Immobilienbewertung.

Ähnliche Beiträge

Reinertrag

Der Reinertrag ist im Ertragswertverfahren die zentrale Kennzahl zur Ermittlung des Verkehrswerts von renditeorientierten Immobilien. Er ergibt sich aus dem Jahresrohertrag abzüglich der Bewirtschaftungskosten.

Rohertrag

Der Rohertrag bezeichnet den Jahresbruttoertrag einer Immobilie vor Abzug der Bewirtschaftungskosten. Er ist eine zentrale Ausgangsgröße im Ertragswertverfahren der Immobilienbewertung.

Barwert

Der Barwert ist der auf einen Bewertungsstichtag abgezinste Gegenwartswert künftiger Zahlungsströme. In der Immobilienbewertung zentral für das Ertragswertverfahren.

Bewirtschaftungskosten

Bewirtschaftungskosten bezeichnen die regelmäßig anfallenden Kosten für Betrieb, Instandhaltung und Verwaltung einer Immobilie. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftlichkeitsberechnung und Wertermittlung.

Review Your Cart
0
Add Coupon Code
Subtotal