Zwangsversteigerung

Lexikon - Baupreisindex

Die Zwangsversteigerung ist ein gerichtlich angeordnetes und überwachtes Verfahren zur Verwertung von Grundstücken, grundstücksgleichen Rechten oder Immobilien, wenn ein Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen aus einer durch Grundpfandrecht gesicherten Forderung nicht nachkommt. Sie erfolgt auf Antrag eines Gläubigers beim zuständigen Amtsgericht und dient der Befriedigung der Gläubiger aus dem Erlös.

Rechtliche Grundlagen und Ablauf

Die Zwangsversteigerung ist im Gesetz über die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung (ZVG) geregelt. Der Gläubiger muss einen vollstreckbaren Titel und ein Grundpfandrecht (z. B. Grundschuld oder Hypothek) vorweisen. Das Amtsgericht bestellt einen Sachverständigen zur Ermittlung des Verkehrswerts der Immobilie. Dieses Gutachten bildet die Grundlage für die Festsetzung des Mindestgebots im Versteigerungstermin.

Nach Anordnung der Zwangsversteigerung wird ein Versteigerungstermin anberaumt und öffentlich bekannt gemacht. Im Termin können Bieter Gebote abgeben; das Meistgebot erhält den Zuschlag, sofern es mindestens die Hälfte des Verkehrswerts erreicht und keine berechtigten Einwendungen vorliegen. Mit Zuschlagsbeschluss geht das Eigentum auf den Ersteigerer über.

Bedeutung des Verkehrswertgutachtens

Das vom Gericht beauftragte Gutachten zur Ermittlung des Verkehrswerts ist zentraler Bestandteil des Verfahrens. Es muss den Anforderungen der ImmoWertV entsprechen und wird von gerichtlich zugelassenen Sachverständigen erstellt. Der ermittelte Verkehrswert dient als Orientierung für Bieter und als Grundlage für die Festlegung des Mindestgebots sowie die Verteilung des Erlöses an die Gläubiger.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die Zwangsversteigerung ist von der freiwilligen Veräußerung einer Immobilie klar zu unterscheiden. Während beim freiwilligen Verkauf der Eigentümer den Verkaufsprozess steuert, erfolgt die Zwangsversteigerung gegen oder ohne den Willen des Schuldners. Der Begriff Beleihungswert spielt bei der ursprünglichen Kreditvergabe eine Rolle, während der Verkehrswert im Zwangsversteigerungsverfahren maßgeblich ist.

Zu unterscheiden ist ferner die Zwangsverwaltung, bei der ein Zwangsverwalter bestellt wird, um laufende Erträge der Immobilie zur Gläubigerbefriedigung zu nutzen, ohne dass die Immobilie veräußert wird.

Häufige Fragen

Wer erstellt das Gutachten bei einer Zwangsversteigerung?

Das Amtsgericht bestellt einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder einen entsprechend qualifizierten Gutachter zur Ermittlung des Verkehrswerts der Immobilie gemäß ImmoWertV.

Was ist das Mindestgebot bei einer Zwangsversteigerung?

Das Mindestgebot beträgt in der Regel die Hälfte des ermittelten Verkehrswerts zuzüglich der dem Ersteigerer auferlegten Rechte und Lasten. Wird es nicht erreicht, kann der Zuschlag versagt werden.

Michael Büttner
Über den Autor

Michael Büttner

Sachverständiger für Immobilienbewertung
Gründer & Administrator · Netzwerk Immobilien & Bewertung
Leipzig, Halle (Saale) & Umgebung

Michael Büttner erstellt Verkehrswertgutachten nach ImmoWertV – vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung. Im Netzwerk betreut er die Fachthemen rund um die Immobilienbewertung.

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